Alexander der Große
Der Größte der Geschichte - Alexander der Große
Ein Prosatext von Alexander Karl
„Herr, noch keinem vor euch gelang es, den Gordischen Knoten zu lösen!“ –„Ihr kennt den Orakelspruch? Der, der den Knoten löst, wird die Herrschaft über Persien erlangen. Nun, das bin ich!“ Er hob sein Schwert, die Sonne spiegelte sich an der Klinge wieder und mit einem Hieb durchtrennte er den Knoten am Streitwagen des Königs Gordios von Phrygien, der durch die Götter befestigt worden war. Ja, das war Alexander, Sohn des mazedonischen König Philipp II, der von dem großartigen Herakles abstammte, und der Olympia, aus dem Geschlecht des Achilles.
Ich kannte Alexander schon seit Kindertagen an, seit seiner Geburt [356 v. Chr.], ich habe gesehen, wie er in jungen Jahren sein Pferd Bukephalos gezähmt hat, obwohl niemand sonst es zu bändigen vermochte. Alexander, klug und ohne Scheu, wie er schon damals war, erkannte, was den Fehlversuchen der anderen zugrunde lag. Das Pferd schien den eigenen Schatten zu scheuen. Noch immer hallten in meinem Kopf die Worte Philipps, die er zu seinem Sohn sprach, wider:
„Geh, mein Sohn, suche dir ein eigenes Königreich, das deiner würdig ist. Makedonien ist nicht groß genug für dich.“
Auch sein Lehrer, der von uns allen bewunderte Aristoteles, war begeistert von ihm, interessierte sich Alexander schon immer für seine Geschichte und die der Ilias, Homers Epos über den Trojanischen Krieg, bei dem Achilles so aufopfernd den Tod seines Freundes Patroklos zu rächen suchte. Seine Geschichte und die der Ilias sind so eng verwoben, wie man es sich nur vorstellen konnte. Wenn wir die Geschichten unserer Helden nachspielten, war er immer Achilles gewesen, sein schon damals bester Freund Hephaistiton, der nun auch heute immer noch an seiner Seite steht, mimte den Patroklos.
Viele sagen, selbst hier in seiner Armee, das Alexander ohne Phillips Hilfe nie so weit gekommen wäre, nie die Chance gehabt hätte, bis an das Ende der Welt zu gelangen. Phillip war zwar auch mein König gewesen, und Hades möge ihm Wohl sein!, doch er war nun mal ein Saufkopf, kein Staatsmann und Denker wie Alexander!
Als Phillip starb [336 v. Chr.], gab es viele Staaten, die Alexander die Führerschaft nicht zutrauten, ihn für zu schwach hielten, doch sie alle täuschten sich: Alexander musste Aufstände niederschlagen und zerstörte Theben bis auf die Grundmauern- um ein Exempel zu statuieren. Andere Städte, unter ihnen auch das große Athen, verschonte er in weiser Voraussicht, brauchten wir sie doch für unseren Persienfeldzug [334 v. Chr.]. Die Perser hatten, vor vielen Jahren, Heiligtümer in Griechenland zerstört und, ebenso von Wichtigkeit, wollte Alexander die Freiheit für unsere Brüdern und Schwestern, die in griechische Staaten in Kleinasien lebten. Der Beginn der Schlacht verlief, wie sollte man es auch bei Alexander anders erwarten, wie er sollte: Wir siegten am Granikos und Alexander brachte viele Hafenstädte an sich, da die Perser eine starke Flotte hatten und er diese nutzlos machen wollte. Doch wie groß Alexander war, zeigte sich in Schlacht von Issos [333 v. Chr]:
König Dareios hatte ein Heer, uns zwei- oder dreifach überlegen, aufgestellt und wir waren der Niederlage nahe, als wir zum Zentrum des Heeres durchstießen und zu Dareios gelangten, wobei dieser feige Hund nach Damaskus floh. Wir verfolgten ihm, plünderten die Stadt und nahmen seine Familie gefangen und es dauerte nicht lange, da Dareios Alexander um einen Freundschaftsvertrag und die Freilassung seiner Familie bat. Doch Alexander, edelmütig saß er auf seinem Thron, reife Trauben essend und Wein trinkend, neben ihm sein Hepheistiton, antwortete, Dareios solle zu ihm kommen und Alexander als „König von Asien“ anerkennen, dann würde seine Bitte erfüllt; andernfalls solle er sich auf den Kampf vorbereiten. Ein Jahr später sandte Dareios Alexander eine zweite Botschaft, bot ihm alle Länder westlich des Euphrat, 10.000 Talente Gold, die Hand einer seiner Töchter und den Rang als gleichrangigen Großkönig- und Alexander sollte dafür die Geiseln freilassen und ein Ende des Feldzuges versprechen.
„Schreibe“, diktierte er mir, „Ich, Alexander, werde mir nehmen, was ich will. Wenn Dareios etwas von mir erbittet, so solle er zu mir kommen.“ Erst jetzt wurde mir wirklich klar, wie weit ich schon mit meinem Alexander gekommen war, alle Hafenstädte waren in unserem Besitz, keine Flotten mussten wir mehr fürchten. Jetzt wurde jedem klar, dass Alexander alles wollte, das gesamte persische Reich.
Unser erster Anlaufpunkt war Ägypten [331 v. Chr.] - Alexander wurde Pharao und gründete die schönste Stadt, die ich je gesehen habe: Alexandria.
Es folgte die Entscheidungsschlacht mit Dareios- er floh erneut, wir folgten ihm bis nach Babylon, eine wundervolle und prächtige Stadt, dann weiter nach Baktrien, wo er von einem Verwandten, Bessos, aber getötet wurde, den wir aber nun verfolgten. Unser Weg ihm nach führte über den Hindukusch, eine Region, wie ich sie zuvor noch nie gesehen hatte. Viele Geschichten ragten sich um dieses Gebirge, hier soll Prometheus, der Titan, der uns aus Lehm geschaffen haben soll, von Zeus angekettet worden sein, ein Adler täglich von seiner täglich nachwachsenden Leber zehrend, bis ihn Herakles befreite.
Der Weg war beschwerlich, doch Alexander hatte sich vorgenommen, sich der uns unbekannten Gebiete anzunehmen und sie zu integrieren. Zum einen vervollständigte er unser Heer mit Persern, wobei viele von uns Griechen sie immer noch als Feinde ansahen. Außerdem heiratete er, in einer prunkvollen und äußerst ergreifenden Zeremonie, Roxane eine Perserin [327 v. Chr,].
Ein Jahr später folgte das, womit niemand, vielleicht nicht mal Alexander, wirklich gerechnet hatte: Er hatte das gesamte Perserreich inne, doch er wollte die ‚ganze Welt’. Indien, bestehend aus vielen kleinen Staaten, hatte Alexander ins Visier genommen und ich erinnere mich an ein Gespräch mit ihm, in dem ich ihn fragte, wieso es ihn nach Indien zog, es gäbe keine militärische Notwendigkeit dafür. „Es ist der pothos, das irrationales Streben und die Sehnsucht nach Erfolgen, die mich immer wieder motiviert, ich will wissen, wie das wahre Indien ist, es ist die Sehnsucht in mir, die nach der Ferne lechzt.“ Wir zogen weiter und kamen bis zum Ostrand des Punjabs [oberes Pakistan], doch viele unter uns Kämpfern, besonders jene, die schon seit Beginn an seiner Seite standen, waren es Leid, durch den Morast zu warten und so wurde Alexander zur Umkehr gezwungen. Er hatte uns nie seinen Unmut darüber gezeigt, doch ich war mir sicher, dass es ihn weiterzog, er wollte das wahre Ende der Welt sehen, wer wollte bis zum Ozean, bis dorthin, wo das Wasser in die Unendlichkeit floss.
Wir beschlossen unsere Rückkehr nach Persien [325 v. Chr.] und Alexander befahl, per Schiff mit den Truppen den Indus abwärts zu fahren, denn wir waren uns sicher, dass der Indus der Oberfluss des Nils war. Ein Teil der Truppen, vor allem die alten Kämpfer, gingen auf dem Fußweg, die frischen Kämpfer nahmen den neuen Weg zur Expolration. Ich war an Alexanders Seite und gemeinsam gingen wir auf dem Fußweg durch die gedrosische Wüste, wobei viele, Alexander sagte, es war ein Viertel, der Kämpfer starben, zu groß war die Hitze und der Wassermangel.
Es folgte eine Massenhochzeit, bei der 10.000 persische Frauen mit Soldaten verheiratet wurden. Alexander erzählte einmal ziemlich offen von seiner „Verschmelzungspolitik“, er wollte, Perser und Griechen zusammenwachsen und erhielt durch die bestimmt entstehenden Kinder viele talentierte Krieger. Er selbst heiratete zwei Frauen, doch die Freude währte nicht lange- im Herbst starb sein Hephaistiton. Ich wagte mich in den Tagen von Alexanders Trauer nicht, mit ihm zu reden, ließ er doch den Arzt seines Freundes kreuzigen, die Haare von Pferden und Maultieren abrasieren und opfern und fastete mehrere Tage und richtete dann ein monumentales Begräbnis für Hephaistiton aus. Den Tod [323 v. Chr.] seines so engen Freundes, der auch die ein oder andere Nacht in Alexanders Zelt ausgeharrt hatte, hatte er wohl nie überwunden, den nun stehe ich hier, neben dem toten Alexander. Für mich war er der größte Mensch, den ich je kennen gelernt hatte und ich schwor mir, ihn nicht nur als Menschen, sondern auch als Gott im Gedächtnis zu behalten. Viel zu jung starb er, planten wir doch gerade den Arabienfeldzug, doch seine Kampfverletzungen konnten auch nicht durch den vielen Wein geheilt werden- für mich war es ein schwarzer Tag, doch immerhin war er nun wieder mit Hephaistiton vereint.
Anmerkung: Alle erwähnten Fakten beruhen auf dem aktuellen historischen Stand der Dinge.
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